Kristina Karg`s Sailing Blog

Wer hätte noch vor einer Woche geglaubt, dass eine Segelreise im Mittelmeer vom sizilianischen Ätna zum Stromboli durch einen Vulkan auf Island verhindert werden kann? Schade - aber was haben wir alles gewonnen? - Viel freie Zeit - wunderbar!


Was hat uns die Isländsche Flugasche geschenkt?
Die Segelreise nach Sizilien war kurzfristig geplant. Ich hatte mich dennoch darauf gefreut. Das Ziel war kein gewöhnliches Schiff - eine große luxuriöse Segelyacht von 38 Metern mit weniger als 20 Gästen. Ein riesiges hölzernes Deck mit viel Platz für jeden Einzelnen, glänzendes Messing und kräftiges Tauwerk verhießen ein schönes Segelerlebnis. Der Smutje würde jeden Tag aus den Zutaten Italiens leckere Gerichte zaubern.

Hinter dem tiefblauen Kielwasser würde die Sonne neben der weißen Haube des Ätna mit der immer präsenten Rauchsäule versinken. Bald würde die Sonne neben dem schwarzen Kegel des Stromboli aus dem Meer steigen. - So sollte es sein. Aber es kam anders. Ein Vulkan am anderen Ende der Welt spie Asche.

Nun sind es Segler zwar gewohnt, Ihre Planung der Natur unterzuordnen - aber das galt bisher nur auf See. An Land muss natürlich alles perfekt funktionieren. Es dauerte lange, bis ich akzeptierte, dass der Plan nicht aufgehen würde. Unterdessen hatte ich herausgefunden, dass die überlastete Hotlline der Deutschen Bahn sich heldenhaft schlug. Mit viel Geduld konnte man eine exotische Reise von 30 Stunden Dauer per Bahn von Berlin bis Sizilien buchen. Berlin - Basel - Milano - Rom - Catania - noch vor 100 Jahren eine mehrmonatige Weltreise. Irgendwann fand ich den Aufwand für wenige Tage auf dem Mittelmeer jedoch absurd und blieb zu Hause ...

Was hat uns die Isländsche Flugasche geschenkt?
Aber was hatte ich alles gewonnen? - Ein paar Tage bei schönstem Frühlingswetter und viel Zeit, die nicht schon im Voraus verplant war - herrlich!

Alle sprachen zwar über die Flugausfälle, aber wen störte es wirklich? Wie viele Meetings, die keiner vermissen würde, würden nicht stattfinden? Wieviel Zeit würden Menschen damit gewinnen?
Bis auf die armen Menschen, die in den Transiträumen der Flughäfen eingesperrt waren, hat der Ausnahmezustand wohl nur den wenigsten wirklich geschadet.

Am kommenden Wochenende werde ich zum Segeln erst einmal an die Ostsee fahren. Nach dem Frühstück zu Hause in Berlin werde ich schon weniger als 3 Stunden später auf dem Meer vor Warnemünde segeln - was Eyjafjallajökull auch immer zu tun gedenkt.

Möglicherweise wähle ich die zunächst unfreiwillige Entschleunigung nun ab und an auch bewusst.

Posted by Kristina Karg, on Monday April 19, 2010 at 19:29 | Comments (0)

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