Michel Petrucciani - Ein Leben gegen die Zeit

Freitag 16 Dezember 2011


Er wurde nur 36 Jahre alt und war gerade einmal einen knappen Meter groß, etablierte sich aber trotz seiner Behinderung zu einem der weltbesten Jazzpiano-Virtuosen unserer Zeit.
Die Rede ist von dem Jazz-Pianisten Michel Petrucciani, der seit dem 8. Dezember in dem Dokumentarfilm "Ein Leben gegen die Zeit" des Oscar-Preisträgers Michael Radford ("Der Postmann") portraitiert wird.


Michel Petrucciani - Ein Leben gegen die Zeit
In Deutschland wurde Petrucciani durch den Schriftsteller, Publizisten und Fernsehmoderator Roger Willemsen bekannt, der ihn von Oktober 1994 bis Juni 1998 als Studiomusiker für seine damalige Sendung „Willemsens Woche" verpflichtete.

Petrucciani erblickt am 28. Dezember 1962 im südfranzösischen Orange das Licht der Welt und wird mit der Glasknochenkrankheit geboren, sodass er sich bei der Geburt schon etliche Knochen bricht.
Im Vorschulalter kommt er in Berührung mit Musik und dem Klavierspiel.
Sein Vater Antoine Petrucciani, ebenfalls Jazzmusiker, erkennt sein Talent und fördert ihn, sodass der kleine Petrucciani stundenlang mit Klavierspielen verbringt.
1982 geht Petrucciani nach Kalifornien, um die Welt zu erobern und spielt in der Gruppe von Charles Lloyd, mit dem er beim Montreux Jazz Festival musiziert und danach intensiv zusammenarbeitet.
Es folgen Auftritte beim Newport Jazz Festival und im Jazzclub Village Vanguard im Trio mit Palle Danielsson und Eliot Zigmund.
In New York tritt er mit weiteren großen Jazzmusikern auf, u.a. Dizzy Gillespie, Joe Lovano, Wayne Shorter, Jim Hall und vielen anderen.
„Gerne würde ich Ihnen sagen, ja ich leide sehr, ich habe viele Probleme, ich bin klein, behindert, habe keine Frau, ich habe ein sehr schwieriges Leben.
Aber nein, alles läuft prima. Ich führe ein ganz normales Leben mit Kindern, einer Frau, zwei Wohnungen- eine in Paris, eine in New York. Ich komme viel herum. So ist das"
Petrucciani ist also in der Königsklasse der Jazzmusiker angekommen, wird als erster Europäer beim amerikanischen Jazzlabel „Blue Note“ unter Vertrag genommen, spielt in Rom in Anwesenheit Papst Johannes Pauls II., gibt über 200 Konzerte im Jahr.
Doch seine viele Kräfte überdehnende Arbeit zehrt an ihm- Freunde versuchen ihn zu bewegen kürzer zu treten, worauf Petrucciani entgegnet, er habe Charlie Parker überlebt, der nur 34 Jahre alt wurde.
Der Film „Ein Leben gegen die Zeit“ stellt eine unterhaltsame, aufschlussreiche und absolut sehenswerte Dokumentation dar, die durch viele Interwievs von ehemaligen Lebensgefährtinnen, Familienangehörigen und musikalischen Wegesgenossen und durch interessantes und bewegendes Archivmaterial angereichert wird.
Ein rührendes Portrait über einen genialen bis zu seinem Tod lebenshungrigen Jazzvirtuosen, der 1999 in New York an einer Lungenentzündung starb. (David Manowski)

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Matthias Kirsch



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