Marcos ValleMontag 6 September 2010
Viele der größten Talente des Bossa Nova sind von Anfang an dabei gewesen und prägten Solo oder in Zusammenarbeit die Musik ihres Landes. Auch Marcos Valle ist seit Beginn der 60er Jahre ein Teil der Bossa Nova Bewegung. Sein erstes Soloalbum erschien bereits 1964. Aber erst ein Jahr später schenkte er der Welt den „Samba De Verao“ („So Nice (Summer Samba)“ in der englischen Version), ein Lied, das in der von Astrud Gilberto gesungenen Version international berühmt wurde und auf einer Stufe mit „Girl from Ipanema“ steht – als der definitive Klang,der noch heute die Vorstellungen von Bossa prägt.
Allerdings möchte Marcos Valle heutzutage nicht mehr auf Summer Samba angesprochen werden. Nicht, weil er etwas gegen das Lied hätte, er selbst nahm es mehrfach und sogar noch 1986 neu auf, aber die Reduktion eines ganzen Schaffenswerkes auf eine Melodie kann einem Künstler ohne Frage schwer nerven. Besonders, wenn dieser Künstler noch hunderte weitere Lieder auf über zwanzig Alben aufgenommen hat.
Denn während er anfangs den klassischen Sound Brasiliens mit prägte (zum Beispiel bei der Entwicklung von Sergio Mendes Brasil '66), war er Ende des Jahrzehnts bereits ein Suchender, der es nicht nur bei den fast obligatorischen Jazz-Einflüssen beließ, sondern ebenso Rock, Soul, Funk und Pop in seine Musik aufnahm – das beweisen allein die Zusammenarbeiten mit Chicago und die enge Freundschaft mit dem Motown Soul Crooner Leon Ware (der u.a. für Marvin Gaye das „I Want You“ Album schrieb). Noch heute arbeiten sie ab und an zusammen, wie auf Mr. Wares Spätwerk „A Kiss In The Sand“ von 2004
1986 verschwand Marcos Valle fast völlig von der Bildfläche und es sollte bis Ende der Neunziger dauern, bis er wieder neue Lieder aufnahm und veröffentlichte – eine Wiederkehr, die, wie so oft, der Liebe der Acid- und später der NuJazz Szene geschuldet ist, die in den Clubs die alten Platten wieder auflegten. Wie Joyce, die Ipanemas und Azymuth (die sich übrigens nach einem seiner Lieder benannten, das sich auf einem obskuren Soundtrack befindet, von Valle und dieser damals noch namenlosen Band eingespielt) fand auch er eine neue Heimat bei dem Londoner FarOut Label. Hier fanden nun auch elektronische Einflüsse ihren Eingang in seine Musik. Das 2005 veröffentlichte „Jet Samba“ klang hingegen, als wollte er den Kreis seiner Karriere schließen – es ist ein sanftes instrumentales Album, auf dem Valle eigene Klassiker neu arrangierte.
Wenn ihn die Welt also immer noch auf „Summer Samba“ reduzieren will, dann ist das einzig ihr Verlust, nicht der seine. CKLKH Fischer
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