Bettina Arndt auf MallorcaFreitag 13 August 2010
Es ist immer noch das Lieblingsreiseziel der Deutschen: Mallorca. Moderatorin von JazzRadio 101,9, Bettina Arndt, wollte endlich nicht nur davon hören, sondern auch mitreden können. Also fuhr sie nach Paguera auf Mallorca. Sie schwärmt: „Glasklares, blaues Meer, weißer Strand, Palmen werden alltäglich, Kakteen, Sonne… Es war einfach toll.“ Aber sie hat auch eines gelernt: niemals einem Reiseführer zu trauen, der von einem Automobilclub herausgegeben wurde – jedenfalls nicht, wenn man die Tour nicht mit dem Auto zurück legt…Traue niemals einem Reiseführer eines Automobilclubs
Verstehen Sie mich nicht falsch. Mallorca war toll. Paguera ist eine wunderschöne Stadt direkt am Meer. Unser Hotel war nur 200 Meter vom Strand entfernt – strahlend blaues, klares Wasser. Außerdem gibt es in Paguera bereits die ersten Ausläufer des Gebirges und einen schnellen und einfachen Zugang zum Inland Mallorcas.
Aber eines habe ich gelernt und ich gebe es an dieser Stelle gerne als Tipp an Sie weiter: trauen Sie nie einem Reiseführer, der von einem Automobilclub heraus gegeben wurde. Es ist und bleibt ein Automobilclub. Eine Tour so durchzuführen, wie sie im ADAC Reiseführer beschrieben ist, ohne sich in einem Auto fortzubewegen, das kann durchaus beschwerlich werden! Paguera – Cap Andritxol
Die erste empfohlene Tour des ADAC-Reiseführers führte zu Fuß von Paguera zum Cap Andritxol durch gebirgiges Gelände zu einem der verbliebenen Wachtürme, die im 16. Jahrhundert an der Küste Mallorcas zur Abwehr gegen die Piraten errichtet wurden. Die Tour selbst ist wunderschön, entlang der Küste ist der Ausblick wie frisch von der Postkarte. Nur die Umstände stellen sich in der Realität anders dar, als der Reiseführer suggeriert.
Irrtum Nr. 1: Der Weg führt durch „schattige Kiefernwälder“. Ich weiß nicht, was Sie darunter verstehen. Bei mir persönlich entsteht der Eindruck, dass sich rechts und links Kiefern befinden, die den Wanderweg mit Schatten beschenken. Als ich mich gemeinsam mit meiner illustren Wandergemeinschaft aufgemacht habe, musste ich lernen, dass das offensichtlich keine universelle Vorstellung ist. Wir hatten diese Tour an einem besonders heißen Tag geplant. Wir reden hier nicht von deutschen, sommerlichen Temperaturen. Heiß bedeutet auf Mallorca 35° im Schatten – und den gab es nicht einmal! Kiefern: ja. Schatten: Fehlanzeige. Irrtum Nr. 2: Man solle „auf rote Markierungen und Steinmännchen achten“. Die einzige rote Markierung, die sich nicht schnell genug vor mir verstecken konnte, habe ich am Ende der Tour am Ausgangspunkt entdeckt – nach der langen Suche wurde ich fast schon etwas aufgeregt. Und die Steinmännchen, die ich sah, kamen wahrscheinlich von dem leichten Hitzestich. Aber so ein Wehrturm ist hoch auf einem Berg an exponierter Stelle. Wir sahen ihn und haben ihn deshalb auch erreicht – kletternder Weise mit Finger fest in das Geröll geklammert. Wie Sie unschwer erkennen können, hatte ich einen weißen Rock an. Spätere Fotos sind leider nicht mehr präsentabel, weil der Rock nicht mehr weiß ist. Tipp: Die Tour lohnt sich trotz allem. Ziehen Sie festes Schuhwerk und lange Hosen an – es sei denn, Sie lieben Dornen an den Beinen – und bringen Sie Unmengen an Wasser und mehr als die empfohlenen drei Stunden Zeit mit. Suchen Sie sich am Ende noch einen vergleichsweise kühlen Tag aus und schon wird die Tour für Sie unvergesslich schön. Paguera – Es Capadella – Galilea – Puigpunyent
Die zweite empfohlene Tour des ADAC-Reiseführers führte quer durch einen schattigen Wald (von dem Wort „Schatten“ wurde hier übrigens kein Gebrauch gemacht) zu verschlafenen Dörfern, Olivenhainen und vorbei an Geckos und anderen heimischen Tieren. Wir erwischten sogar eine faszinierende Katze mit blauen, schielenden Augen. So weit wurden die Erwartungen erfüllt. Trotzdem schafften wir es nie bis nach Puigpunyent.
Der Irrtum war, dass wir davon ausgingen, den Weg mit dem Fahrrad bestreiten zu können. Wir hatten uns Citybikes ausgeliehen, also Fahrräder, die – wie der Name bereits vermuten lässt – besonders geeignet für Städte sind. Die einzigen anderen Fahrradfahrer, die wir auf unserem Weg trafen, waren offensichtlich besser informiert. Sie sahen aus, als kämen sie direkt von der Tour de France und waren dementsprechend besser trainiert – später erfuhr ich von einem Bekannten, dass tatsächlich einige Teilnehmer der Tour de France dort trainieren würden. Es ging nämlich steil bergauf, ohne Pause, immer aufwärts. Auf dem Weg zwischen Es Capadella und Galilea entschied sich unser Trüppchen schnell für einen regelmäßigen Wechsel zwischen fahren und schieben. In Galilea angekommen, wurde unser Triumph von einem Platzregen gedämpft, der sich gewaschen hatte. Wir wurden jedoch von einer freundlichen, in Spanisch plappernden Dame in einem kleinen Restaurant mit Handtüchern und den weltbesten Tapas getröstet. An diesem Punkt entschieden wir, es könne nicht besser werden und wir sollten den Rückweg antreten. Der war dann auch wieder einfach. Aufsetzen und immer wieder bremsen, bremsen, bremsen. Dabei wurden wir auch wieder trocken. Tipp: Machen Sie diese Tour, es ist wunderschön. Aber nicht mit dem Fahrrad, es sei denn, Sie möchten für die nächste Tour de France trainieren. Nehmen Sie ein Auto oder ein Mofa – wir haben eines gesehen, das sich mit sage und schreibe zwei Insassen den Berg hoch kämpfte. Auch damit können Sie genüsslich und langsam fahren. Und halten Sie in den Dörfern an, es lohnt sich – wenn auch nur für eine schielende Katze. Staff Writer
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